Gerhard Mercator

Gerhard Mercator war einer der bedeutendsten Gelehrten des 16. Jahrhunderts. Er selbst verstand sich als Kosmograph – als ein Beschreiber der gesamten Schöpfung – und befasste sich mit weltumspannenden Forschungen: mit der Entstehung, der Form und der Beschaffenheit der gesamten Erde und des Himmels.

Dank Mercator sicher zum Ziel

GPS am Fahrrad

Gerhard Mercators wegweisende Ideen zur Navigation finden sich heute in jedem GPS-Gerät oder in Satellitentechnik. Flugzeuge und Schiffe bewegen sich auf sicherem Kurs durch seine Grundlagenarbeiten zur exakten Orientierung. See- und Landkarten werden auch heute noch in der von ihm erdachten Kartenprojektion erstellt.

Von Kremer zu Mercator

Gerhard Kremer wurde am 5. März 1512 als Sohn eines Schusters in Rupelmonde bei Antwerpen geboren. Als Schüler des Ordens „Brüder vom gemeinsamen Leben“ in ´s-Hertogenbosch erhielt er erste Unterweisungen in Theologie, Latein und Griechisch. 1530 begann er an der Universität Löwen ein Studium der Philosophie, Mathematik und Astronomie. Wie unter Humanisten üblich, latinisierte er seinen Namen und nannte sich seitdem Gerardus Mercator.

Bei Gemma Frisius, dem Erfinder der Triangulation, lernte er den Bau von Vermessungsgeräten und Globen und arbeitete später selbständig als Kartograph, Landvermesser und Instrumentenbauer. Mercators Arbeiten waren für ihre große Exaktheit und Detailgenauigkeit berühmt, er belieferte sogar Kaiser Karl V. mit Vermessungsgeräten, Karten und Globen.

Der Ketzer

Mercator mit einem Globus

Im Jahr 1536 heiratete Gerhard Mercator in Löwen die Bürgerstochter Barbara Schellekens und hatte mit ihr sechs Kinder: Arnold, Emerentia, Bartholomäus, Dorothea, Rumold und Katharina. In Löwen fertigte er auch seine ersten eigenen kartographischen Werke: die Karte des Heiligen Landes (1537), die Weltkarte in doppelherzförmiger Projektion (1538), die Flandernkarte (1540), den Erd- und den Himmelsglobus (1541, 1551), sowie eine Anleitung zur Verwendung der Kursivschrift auf Landkarten (1540).

Trotz seines schon damals weit über die Grenzen der Spanischen Niederlande hinausreichenden Ruhmes wurde er im Februar 1544 unter dem Verdacht der Ketzerei verhaftet. Mehrere Monate lang war er im Kastell in Rupelmonde eingekerkert und kam erst durch die Fürsprache einflussreicher Persönlichkeiten frei.

Neue Heimat Duisburg

Nach Duisburg zog die Familie Mercator 1552 mit der gesamten Werkstatt, allen Druckplatten und Unterlagen des Gelehrten. Ausschlaggebend dafür waren wahrscheinlich die liberale Einstellung des Herzogs von Jülich-Kleve-Berg in Religionsfragen und Mercators Hoffnung auf einen Lehrstuhl an der geplanten Duisburger Universität. 1558 erwarb Gerhard Mercator an der Oberstraße ein großes Grundstück mit Wohnhaus und Werkstatt. Hier lebte er mit seiner Familie als angesehener Gelehrter, ohne jemals den Bürgereid geleistet zu haben. Er arbeitete auch für den Landesherren Herzog Wilhelm den Reichen, der Mercator im Jahre 1563 zu seinem „Herzoglichen Kosmographen“ ernannte.

Die Vermessung der Welt

Weltkarte "Ad usum navigantium" in dem Atlas, der posthum von Mercators Sohn Rumold herausgegeben wurde.

Gerhard Mercator machte Duisburg zu einem angesehenen Zentrum der europäischen Kartographie. Alle kartographischen Erzeugnisse Mercators sind das Ergebnis seiner eigenen Forschungen und Datenvergleiche. Dadurch waren seine Werke stets auf dem neuesten Stand der Kenntnisse. In der 42 Jahre währenden Duisburger Zeit schuf Mercator den bedeutendsten Teil seines Lebenswerkes. Dazu zählen die Europakarte (1554, 2. Auflage 1572), die Karte von Lothringen (1563/64), die Karte der Britischen Inseln (1564), die Weltkarte in Mercator-Projektion (1569), die Chronologie (1569), die Ptolemäus-Ausgabe (1578, 2. Auflage 1584), die mit Tabulae geographicae bezeichneten Kartenblattfolgen als Vorstufen zum Atlas (1585 und 1589), die Evangelienharmonie (1592) und der 1595 posthum von seinem jüngsten Sohn Rumold herausgegebene erste Atlas der Welt: Atlas sive Cosmographicae meditationes de fabrica mundi et fabricati figura (Atlas oder kosmographische Überlegungen über die Erschaffung der Welt und die Form des Geschaffenen).

Ad usum navigantium – die Mercator-Projektion

Zu Weltruhm gelangte Gerhard Mercator mit seiner 1569 herausgegebenen Weltkarte Ad usum navigantium, die zum Gebrauch für die Schifffahrt bestimmt war. Diese genial konzipierte Wandkarte, die nach einem neuen Gradnetzentwurf angefertigt wurde, der heute die Bezeichnung Mercator-Projektion trägt und seitdem für See- und Landkarten und in der Luft- und Raumfahrt Verwendung findet, verbürgte jene Genauigkeit, die notwendig war, ein angesteuertes Ziel auch tatsächlich zu erreichen. Mit ihrer Winkeltreue war diese Karte ein Meilenstein der Navigation, denn auf ihr ließ sich der Kompasskurs erstmalig als eine gerade Linie darstellen. Berühmt und hoch angesehen starb Gerhard Mercator am 2. Dezember 1594 im Alter von 82 Jahren in seinem Haus in Duisburg. Er wurde in der Salvatorkirche bestattet. Dort erinnert eine Gedenktafel der Erben an den großen Kosmographen.

Universale Transversale Mercator (UTM)

Gerhard Mercator war im wahrsten Sinne des Wortes ein Universalgelehrter, in dessen Lebenswerk die verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen sinnvoll vereinigt sind. Sein Name wird stets mit der nach ihm benannten Mercator-Projektion, der Verlegung des Magnetpols vom Himmel auf die Erde und dem weltweit benutzten Begriff Atlas für ein Kartenwerk eng verbunden bleiben. Im Landkartenbereich wird derzeit das gesamte Liegenschaftskataster Deutschlands von den Gauß-Krüger-Koordinaten auf das Lagebezugssystem ETRS89/UTM umgestellt. UTM bedeutet dabei Universale Transversale Mercator, eine weiterentwickelte Version Mercators genialer Idee von 1569.

Mercators berühmter Schüler Johannes Corputius

Stadtplan von Duisburg 1566 nach Johannes Corputius

Der "Corputiusplan", der älteste Stadtplan von Duisburg, wurde im Jahre 1566 von dem Niederländer Johan van den Corput, oder latinisiert Johannes Corputius, angefertigt, einem Schüler Gerhard Mercators. Der farbige Plan zeigt die Stadt, in der sogenannten Schrägdraufsicht. Corputius hat die eigentliche Stadt im Mauerbereich sehr exakt und im richtigen Maßstab abgebildet. Er nutzte dazu Peilungen mit einem Quadranten. Da er aber alles Bedeutende der näheren Umgebung auch mit aufnehmen wollte, musste er die Entfernungen stark verkürzen, wodurch Verzerrungen nicht ausblieben. Für das Gebiet innerhalb der Stadtmauern lässt sich allerdings eine verblüffende Übereinstimmung mit heutigen Stadtplänen feststellen.

Mercator im Stadtbild

Der Name Mercator taucht nicht selten im Stadtbild auf. Der Gelehrte aus Rupelmonde wird sehr gerne als Namenspatron genommen. Wird er doch mit Bildung, Wissenschaft, Weltoffenheit und Entdeckergeist verbunden. Die Bildergalerie zeigt eine Auswahl!

Anlässlich des 500. Geburtstages gab die Deutsche Post eine Sondermarke heraus.
Die Sondermarken als Ausstellungsstück im Mercatorzimmer 2012
Ausschnitt des Epitaphs. Es befindet sich in der Salvatorkirche und erinnert an die Grabstelle des Wissenschaftlers.
Mercatorbrunnen vor dem Duisburger Rathaus
Die Stadt Duisburg zeichnet bürgerschaftliches Engagement mit der Mercator-Ehrennadel aus.
Seit 2007 steht die Mercatorhalle am König-Heinrich-Platz. Sie ist in das CityPalais integriert.
Das Mercator-Haus der Universität Duisburg-Essen. Es wird hauptsächlich von der Verwaltung genutzt. Die Uni vergibt jedes Jahr die Mercator-Professur.
Die Mercatorinsel in Ruhrort. Der Künstler Markus Lüpertz entwarf die Skulptur Poseidon, die den Schiffern nachsieht.
Die Stadt Duisburg zeichnet besondere Verdienste mit der Mercatorplakette aus, insbesondere auf wissenschaftlichem oder künstlerischem Gebiet.
Anlässlich des 500. Geburtstages Mercators wurde die Schatzkammer im Kultur- und Stadthistorischen Museum aufwendig renoviert.
Entwurf von Daniel Wilkens des neuen Mercatorstuhls analog zu den Exemplaren, die früher in der Innenstadt Sitzmöglichkeiten boten.
Nachdem die Berufsschule dort erbaut wurde, wo einst das Mercatorhaus war, erinnerte fortan eine Gedenktafel an den Kartographen.
Die Stadtautobahn A59 verläuft vor dem Hauptbahnhof unterirdisch durch den Mercatortunnel.
Modell für das künftige Mercatorviertel. Im Vordergrund ist der Nachbau des Mercatorhauses zu erkennen.
Glückwünsche, Jubiläen, Auszeichnungen - das Mercatorzimmer im Duisburger Rathauses dient vornehmlich sehr festlichen Treffen.
"Bei all der ganzen Narrenpracht, Mercator hätte mitgemacht", lautete das Duisburger Karnevalsmotto im Jahr 2012.
Gästefahrten mit der MS Mercator der Weissen Flotte.
Die Mercatorstraße verläuft gegenüber des Duisburger Hauptbahnhofs. Sie geht südlich in die Kremerstraße über. Das Namensspiel erinnert an den wissenschaftlichen Werdegang Mercators.
Friedrich Werthmann erschuf die "Hommage à Mercator" im Jahr 1965, auch Werthmann-Kugel genannt. Im Hintergrund ist die ehemalige Grundschule Obermauerstraße zu erkennen.

Auf den Spuren Mercators

Auf Rundgängen erfahren Besucherinnen und Besucher mehr über das Leben und die Werke des berühmten Mannes in seiner Wahlheimat Duisburg und die Bedeutung seiner Arbeiten für die heutige Gesellschaft.

Das Kultur- und Stadthistorische Museum (KSM) und Duisburg Kontor bieten unterschiedliche Führungen an.

Mercator Matinéen

Die Mercator Matinéen finden in der Regel einmal im Monat an einem Sonntag statt. Die Bürgerstiftung Duisburg organisiert gemeinsam mit dem Kultur- und Stadthistorischen Museum sowie der Mercator-Gesellschaft Duisburg diese Vortragsreihe. 

Eintritt zu den Matineen: 6 €, ermäßigt 4 €
Beginn immer um 11.15 Uhr
Ein Glas Wein oder Saft sowie der Besuch der Ausstellungen sind inklusive!

VIDEO

Mercatorviertel

Auf dem historischen Grund der Duisburger Altstadt, eben da, wo auch Gerhard Mercator mit seiner Familie wohnte, ist seit dem Abriss des Schulzentrums das größte, innerstädtische Ausgrabungsfeld entstanden. Viele mittelalterliche Funde wurden gemacht, auch das Haus Mercators wurde in seinen Fundamenten freigelegt. Dort soll nun ein neues Stadtviertel, das Mercatorviertel, entstehen.