Kunst machen, Kunst zeigen
32 Künstlerinnen, viele Perspektiven: Die Ausstellung „frau • macht • kunst“ bringt die Vielfalt weiblichen Kunstschaffens in die cubus kunsthalle und feiert gleich zwei GEDOK-Jubiläen.
„Wir Frauen sind so gut. Man muss uns zeigen“, sagt Hanne Horn, eine der Vorständinnen der GEDOK-A46. Und Besucherinnen und Besucher kommen jetzt in den Genuss. In Duisburg. In der cubus kunsthalle. (Öffnet in einem neuen Tab) Vom 23. Oktober bis 8. November läuft „frau • macht • kunst“ – eine Gemeinschaftsausstellung mit Kulturprogramm. Der Eintritt ist frei.
Anlass für die Ausstellung gibt es gleich doppelt: Die GEDOK, bis heute das älteste und europaweit größte Netzwerk für Künstlerinnen aller Kunstgattungen, feiert ihren 100. Geburtstag. Die Regionalgruppe GEDOK-A46 blickt daneben auf 30 Jahre zurück. Bundesweit finden deshalb an unterschiedlichen Orten Jubiläumsausstellungen statt – eine davon nun auch in Duisburg. Das ist nicht zuletzt dem großen Engagement der beiden Duisburger Künstlerinnen Angela Schmitz und Angelika Stienecke zu verdanken.
Ein Netzwerk, viele Disziplinen
Aber von vorn: Die GEDOK steht für Gemeinschaft deutscher und österreichischer Künstlerinnen und Kunstfreundinnen. In der gemeinnützigen Organisation sind alle künstlerische Disziplinen vertreten: von Bildender, Angewandter und Darstellender Kunst über Musik bis zu Literatur. Als politisch und konfessionell ungebundenes, überparteiliches Netzwerk setzt es sich für die Rechte von Künstlerinnen und Künstlern ein. Es geht um die Förderung künstlerischer – vor allem junger – Talente, um Vernetzung, Begegnung, um ideelle und finanzielle Unterstützung. Im Laufe der Jahrzehnte sind rund 2.750 Mitglieder und 23 regionale Gruppen zusammengekommen. Dazu gehört auch die GEDOK-A46 mit heutigem Sitz in Düsseldorf, gegründet 1996 in Neuss. Ihr Name verweist auf das Einzugsgebiet entlang der Autobahn A46 – von Aachen bis Wuppertal.
Hanne ist seit 30 Jahren Mitglied und zählt zu den ersten Künstlerinnen der Regionalgruppe: „Ohne die GEDOK wäre ich niemals so tief in die Kunstwelt eingetaucht. Meine Kunst eckt schon immer an. Ich hau direkt rein, bin kritisch. Meine Fotos sollten sogar aus dem Stadtbild entfernt werden“, erzählt sie.
Gemeinsame Projekte? Bereichernd!
Dass Künstlerinnen noch immer unterrepräsentiert sind, kritisiert auch Rike Casper. Die Musikerin und Klangkünstlerin gehört ebenfalls zum Vorstand der GEDOK-A46 und engagiert sich besonders für interdisziplinäre Projekte mit Künstlerinnen aus Bildender Kunst, Musik und Literatur. „Über eigene Kunstgrenzen hinweg denken, zusammen performen – darum geht’s. Das war mein Grund, der GEDOK-A46 überhaupt beizutreten“, erklärt sie. Die Gemeinschaft schafft darüber hinaus Möglichkeiten zur kulturpolitischen Teilhabe, zur Vernetzung und zur Professionalisierung im Kunstbetrieb: „Wir setzen uns für eine geschlechtergerechte Gestaltung aller Bereiche künstlerischen Schaffens ein. Denn bei der Auswahl der Kunst, die eine Bühne erhält, gibt es immer noch Defizite. Künstlerinnen sind zwar inzwischen sichtbarer, aber wir befinden uns weiterhin in einer gesellschaftlichen Schieflage. Auch was die Bezahlung angeht. Da setzen wir als Gemeinschaft an“, so Rike. Die GEDOK-A46 versteht sich damit als Türöffnerin, die die Arbeit von Künstlerinnen in die Öffentlichkeit bringt.
Wir setzen uns für eine geschlechtergerechte Gestaltung aller Bereiche künstlerischen Schaffens ein.
(Rike Casper)
Hanne sieht, dass sich in der Kunstwelt Schritt für Schritt etwas bewegt. Aber das ist längst nicht genug: „Im Vergleich zu früher hat sich einiges getan. Doch wir bleiben laut, solange es Künstlerinnen und Künstler gibt. Wir machen unermüdlich weiter.“
Eine Liebeserklärung an Duisburg
Unverzichtbar ist lokales Engagement: Die Bildenden Künstlerinnen und Duisburgerinnen Angela und Angelika bewegen viel. Sie haben schon einige Projekte gemeinsam verwirklicht. „frau • macht • kunst“ ist ihr aktuelles Vorhaben. Sie entwickelten vor rund anderthalb Jahren das Konzept und übernahmen zusammen mit Dr. Claudia Schaefer, Direktorin der cubus kunsthalle, die Kuratierung: „Wir müssen es tun! Wir müssen es einfach tun und eine der Jubiläumsausstellungen nach Duisburg bringen“, erklärt Angelika. Angela, die ergänzend die Gesamtorganisation verantwortet, ergänzt: „In Zeiten, in denen an Kultur gespart wird, ist es wichtig, Kunst und Kultur in unserer Stadt sichtbar zu machen.“
Mitglieder der GEDOK-A46 waren aufgerufen, sich mit ihrer Teilnahme zu bewerben. Eine fünfköpfige Jury entschied in einem Auswahlverfahren, wer sich für „frau • macht • kunst“ qualifiziert. „Wir sind glücklich, dass wir als Veranstaltungsort die cubus kunsthalle gewinnen konnten“, sind sich Angela und Angelika einig. Denn die cubus kunsthalle sei der Ort für die Freie Szene. Ein Raum, in dem Kunst ganz niederschwellig stattfinden könne. Es mache stolz, dass Dr. Claudia Schaefer dem Projekt direkt zugestimmt hat. „Es ist einfach toll, dass uns gelungen ist, die Jubiläumsausstellung nach Duisburg zu holen. Da freue ich mich sehr drauf“, so Angela. Angelika beschreibt Duisburg als schräge, unbequeme Stadt. Kein Vorwurf, sondern eine Liebeserklärung: „Aber ich liebe Duisburg. Das ist meine Heimat. Hier gibt es reichlich Kultur, eine neue Belebung, viele Initiativen, gute Kunst und eine Vielfalt weiblichen Kulturschaffens.“
„Wir feiern uns.“
Die Ausstellung versammelt Arbeiten, die persönliche Erfahrungen aufgreifen und zugleich eine große Themenvielfalt entfalten: Identität, Erinnerung, Natur, Wandel, Gemeinschaft, gesellschaftliche Entwicklungen. Gesellschaftskritisch und poetisch zugleich: „Kunst ermöglicht einen öffentlichen Diskurs, einen lebendigen Dialog und schafft die Basis für ein freiheitliches Miteinander“, unterstreicht Angela.
Neben dem Ausstellungsbesuch können sich Besucherinnen und Besucher auf weitere Highlights freuen. Zur Finissage ist beispielsweise ein Kunstgespräch unter dem Titel „Künstlerinnen erheben ihre Stimme“ vorgesehen. Dabei geht es um künstlerische und gesellschaftliche Positionen von Frauen und um die Frage, welche Wirkungsmöglichkeiten sie entfalten können. Außerdem gibt es eine Voice-Performance. Angela lädt ein: „Schaut und hört euch die Vielfalt fantastischer Künstlerinnen an. Wir feiern uns. Und da gibt es auch allen Grund zu.“
Infos zur Ausstellung
frau • macht • kunst
cubus kunsthalle
Im Kantpark
Friedrich-Wilhelm-Str. 64
47051 Duisburg
Vernissage: 23.10.2026 um 19:00 Uhr
Finissage: 08.11.2026 um 15:30 Uhr
Öffnungszeiten:
23.10. – 08.11.2026
mittwochs bis sonntags von 14:00 – 18:00 Uhr
Eintritt frei



