Grundschule Hochfelder Markt: Mit Herz, Haltung und klarem Kompass
Jennifer Poschen ist das, was man landläufig wohl als Macherin, als Anpackerin bezeichnen würde. Aufgeben – dieses Wort hat sie aus ihrem Sprach-Duden gestrichen. „Man muss es wollen“, entnimmt sie stattdessen lieber ihrer Rhetorikkiste.
Für die Schulleiterin der Gemeinschaftsgrundschule Hochfelder Markt ist ihr Job vor allem eine Frage der Haltung.
Den 15. Januar 2026 hatte sich die 46-Jährige fett im Kalender markiert. Ein weiterer Meilenstein in ihrer inzwischen 15-jährigen Zeit als Schulleitung in Hochfeld war errichtet. Der Erweiterungsbau wurde an die Schulgemeinschaft übergeben. „Jetzt kann ich erst einmal durchatmen“, gesteht die engagierte Pädagogin. Doch wer glaubt, dass Jennifer Poschen sich entspannt zurücklehnt, hat sie nie live erlebt. Ein emotional aufgeladener Wirbelwind, aber immer mit dem Willen zur sachlich-positiven Veränderung. Klare Kante, klarer Kompass.
„Als Schulleitung möchte ich etwas für Menschen verbessern, möchte mit ihnen gemeinsam einen Weg gehen“, betont die Lehrerin. Dieser unbändige Wille, angetrieben von „einem übertriebenen Gerechtigkeitsbedürfnis“, prägt Poschens tägliche Arbeit. Sie will nicht nur Lesen, Rechnen und Schreiben vermitteln. „Das Wichtigste ist unsere Haltung: Wir holen die Menschen dort ab, wo sie stehen, und nicht dort, wo die gesellschaftliche Norm sie gerne hätte.“
Poschen und ihr 106-köpfiges Team möchten in den Stadtteil hineinwirken und verstehen Schule als Lebensort, der helfe und vor dem man keine Angst haben müsse. „Je mehr Menschen wir im Stadtteil einfangen können, je mehr Leuten wir Verlässlichkeit geben, desto besser funktioniert das Zusammenleben.“
Als Jennifer Poschen in Hochfeld anfing, so berichtet sie, gingen 230 Kinder zur Grundschule Hochfelder Markt. Heute seien es 480 aus 38 Nationen in 19 Klassen. „Hochfeld war schon immer ein sehr bunter, gemischter Stadtteil. Hier ist es laut und belebt. Aber genau das mögen und schätzen wir sehr. Unsere Schule ist wie ein Mikrokosmos der Gesellschaft. Jeder, der hier hinkommt, hat Gepäck dabei. Hier prallen Ideologien, Religionen und Kulturen aufeinander – aber es funktioniert.“
Wohl auch, weil Jennifer Poschen und ihr Kollegium gerne die berühmten Extrameter gehen, ihren Einsatz für Hochfeld auch nach der eigentlichen Dienstzeit nicht einstellen und an Nachmittags-, Abend-, Wochenend- und Ferienangeboten für die Familien feilen. „Mit der Power der vielen Menschen, die hier mit Herzblut dabei sind, können wir auch im etwas starren deutschen Schulsystem viel bewegen.“
Jennifer Poschen hat viele lebensbejahende und positive Werdegänge ganzer Familien begleitet, seit sie sich 2008 als junge Vertretungslehrerin „in alles hier verliebte“. Natürlich sei das manchmal sehr anstrengend und benötige viel Geduld und Zeit, „aber wir möchten die Kinder prägen und ihnen das Gefühl geben: Du bist gut. Du bist wichtig. Du kannst dir Ziele vornehmen. Stell dich auf und mach dich groß für dein Leben!“
Zur Eröffnung des Erweiterungsbaus stimmten die Schülerinnen und Schüler vor Vertreterinnen und Vertretern von Verwaltung und Politik den Song „Wir sind anders“ an. Ein Credo, das die Grundschule Hochfelder Markt aber eben nicht als Makel, sondern als Ausdruck ihrer Stärke verkörpert.